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3 Fragen an Ondřej Adámek

09.11.17 | musica viva Team

Das Stück „Follow me“ des Komponisten Ondřej Adámek wird am 15. Dezember 2017 im Rahmen des Orchesterkonzerts der musica viva uraufgeführt. Ondřej Adámek spricht über sein neues Werk und seine Zusammenarbeit mit der Geigerin Isabelle Faust, für die er das Stück geschrieben hat.

musica viva Team: Ihr Werk „Follow me“ wird am 15.12.2017 im Rahmen der musica viva Konzertreihe uraufgeführt. Hatten Sie in letzter Zeit einen Moment des Glücks oder des Erfolges mit dieser Komposition? Womit waren Sie zufrieden?

Ondřej Adámek: Ich habe das Violinkonzert in Barcelona begonnen. Am Anfang ging die Arbeit sehr langsam voran. Meine ersten Ideen drehten sich um Beziehungen zwischen einem Menschen und einer Gruppe. Während meines viermonatigen Aufenthalts in Barcelona trat Isabelle Faust einmal im Palau de Musica auf, wo sie die kompletten Sonaten und Partiten von Bach spielte. Das hat mich sehr stark beeindruckt und das beeinflusste Teile von diesem Konzert.

musica viva Team: Welche Klangvorstellung haben Sie im Kopf, wenn Sie an „Follow me“ denken?

Adámek: (Originalfassung der Antwort auf Französisch) „Follow me“ est un concerto pour violon et orchestre en trois mouvements écrit pour Isabelle Faust. Un hoquet où une mélodie est divisée note par note entre la soliste et l’orchestre devient une musique d’un tribu imaginaire. Derrière la partition il y a une idée de relations diverses en évolution entre un «guide» et une «foule» : Un «guide» prononce une parole simple mais forte.

Au début il est seul. Plus tard, des individus commencent à répéter la parole après lui. Puis une «foule» répète chaque mot après le «guide» mais le détourne petit à petit, le déforme, le ridiculise. Plus tard la «foule» se tourne contre son «guide» qui insiste sur sa parole d’origine mais la «foule» l’écrase avec sa propre parole mais exagéré, déformée et le «guide» disparait.

„Follow me“ ist ein Konzert für Violine und Orchester in drei Sätzen und ist für Isabelle Faust geschrieben. Wie ein Hocket, der eine Melodie Note für Note zwischen dem Solisten und dem Orchester teilt und somit Musik eines imaginären Volksstammes erzeugt. (In der mittelalterlichen Praxis von Hocket wird eine einzelne Melodie zwischen zwei (oder gelegentlich mehr) Stimmen geteilt, so dass abwechselnd eine Stimme klingt, während die andere ruht.)

Hinter der Teilung steht die Idee der diversen Beziehungen innerhalb der Entwicklung zwischen einem „Führer“ und einer „Menschenmenge“. Ein „Führer“ hält eine einfache, aber starke Rede. Zu Beginn ist er allein. Wenig später beginnen Individuen, seine Rede gemäß seiner Aussage zu wiederholen. Dann wiederholt die „Menschenmenge“ jedes Wort, wie es der „Führer“ verwendet hatte, aber verdreht es ein wenig, deformiert es, macht es lächerlich. Etwas später wendet sich die „Menschenmenge“ gegen ihren „Führer, der auf seiner ursprünglichen Rede insistiert, aber die „Menschenmenge“ bedrängt ihn mit seiner eigenen, aber inzwischen ins Übertriebe verzerrten Rede – und der „Führer“ verschwindet.

Ondřej Adámek (c) Luc Hossepied
Ondřej Adámek (c) Luc Hossepied

musica viva Team: Wann haben Sie Isabelle Faust zuletzt getroffen und worüber haben Sie sich unterhalten?

Adámek: Im Dezember 2016 haben wir gemeinsam ein großes Paket meiner handschriftlichen Skizzen in meinem Arbeitsraum ausprobiert. Isabelle hat sofort verstanden, worauf ich mit meinen Ideen hinaus wollte und hat alles mit viel Kraft und Energie aufgenommen. Alles hat in diesem kleinem Raum sehr laut geklungen.

Wir haben uns wieder im Juli 2017 getroffen,  sind gemeinsam in einem großen Probensaal die ganze Solo-Stimme durchgegangen und haben Feinheiten recherchiert. Alles geht unglaublich schnell mit Isabelle.

 

Weitere Informationen zu diesem Orchesterkonzert mit Isabelle Faust am 15.12.2017 finden Sie auf www.br-musica-viva.de.


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