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Abenteuer und Party

15.05.18 | Winrich Hopp

Im Rahmen des musica viva Orchesterkonzerts am 7.6.2018 wird Helmut Lachenmanns neues Werk "My Melodies - Musik für acht Hörner und Orchester" uraufgeführt. Winrich Hopp, der künstlerische Leiter der musica viva, spricht in der neuen crescendo-Ausgabe darüber.

Mit Helmut Lachenmann und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Höhle des Löwen

„My Melodies – Musik für acht Hörner und Orchester“ lautet der Titel des von der internationalen Musikwelt seit Langem erwarteten neuen Werkes des Grand Maître der Neuen Musik Helmut Lachenmann: „Ich habe eine sportliche Lust, in die Höhle des Löwen zu gehen, dort, wo sich die Menschen mit ihrem Musikverständnis geborgen und glücklich fühlen, eine Erfahrung zu schaffen, und in dieser Geborgenheit ein Abenteuer in Gang zu setzen beim Hören. Ich will diesem Orchester, das wir kennen, ein neues Gesicht geben. Das ist Komponieren: aus diesen Instrumenten ein eigenes Instrument zu machen.“ Mitstreiter dieses Abenteuers sind das grandiose Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und seine acht phantastischen Hornsolisten unter der Leitung von Peter Eötvös, für die Lachenmann das umfängliche Werk im Auftrag der musica viva geschrieben hat.

Das Horn ist eines der am schwersten zu spielenden Instrumente bis heute geblieben. Neben aller Spieltechnik braucht es ein ausgezeichnetes Ohr, überhaupt: beste körperliche Konstitution. Stefan Dohr, der Solohornist der Berliner Philharmoniker, die schon ganz neugierig die Vorbereitungen der Münchner Lachenmann-Premiere verfolgen, im Gespräch mit der Musikjournalistin Eva Blaskewitz: „Man muss die Töne im Ohr haben, bevor man spielt, sonst hat man überhaupt keine Chance. Man muss genau wissen, wie viel Luft brauche ich, wie muss die Lippenstellung sein, und wie kann ich die Zunge verwenden, damit genau dieser Ton kommt und nicht zufälligerweise der drunter oder drüber. …“ Die anspruchsvolle Blastechnik führt schon seit dem 18. Jahrhundert dazu, dass sich Hornisten auf hohe oder tiefe Partien spezialisieren. Beim hohen Horn geht es vor allem darum, die Töne sauber zu treffen; beim tiefen liegt die Schwierigkeit darin, „dass man die großen Intervalle schnell spielen kann, aber auch langsam, und dass alle Töne kontrolliert geformt klingen“, so Dohr. „Wenn man viel in der Tiefe übt, verliert man ein bisschen Spannung in der Höhe. Das ist ein Unterschied wie zwischen einem 200-Meter-Läufer und einem 10-Kilometer-Läufer, der eine ist mehr Sprinter, der andere hat mehr Ausdauer.“ Vielleicht sind es gerade die Tücken des Instruments, die die Hornisten zusammenschweißen: „Hornisten sind selten Einzelgänger, wir treten ja immer mindestens zu zweit auf bei Mozart oder Haydn, und bei späteren Komponisten immer zu viert, mindestens, dann auch mal zu sechst oder zu acht, das ist dann schon fast eine Party. Hornisten sind gesellige Leute – man sagt ja so schön: Das gemeinsame Schicksal verbindet.“

Abenteuer und Party werden bei der musica viva gleich zweimal präsentiert: am 7. Juni (Uraufführung) und am 8.Juni im Herkulessaal der Residenz. Auf dem Programm stehen außerdem Lachenmanns expansive SERYNADE für Klavier mit Pierre-Laurent Aimard und der erst kürzlich, zum Jahreswechsel uraufgeführte Marche fatale für Orchester.

Diesen Text finden Sie in der crescendo-Ausgabe Juni – Juli – August 2018. 

Weitere Informationen zum musica viva Wochenende vom 7.-9. Juni 2018 finden Sie auf www.br-musica-viva.de.

Hier geht es zum Livestream des Konzerts vom 8. Juni 2018.

Pierre-Laurent Aimard, Foto: Marco Borggreve
Pierre-Laurent Aimard, Klavier
Peter Eötvös (c) Astrid Ackermann
Peter Eötvös, Leitung

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