Komponisten & Werke

ADAPTIONEN - Machaut, Beethoven und Newman

25.10.16 | Chris Newman

Bei der "Late Night: Violine | Kontrabass" spielen Helge Slaatto und Frank Reinecke unter anderem die "Symphony No. 10" von Chris Newman. Welchem Werk der Komponist damit seine Reverenz erweisen wollte, beschreibt er in einer Sonderbeilage der musica viva zur Neuen Musikzeitung und nun auch hier im Blog.

Foto: Chris Newman zu seiner Symphonie No. 10. Foto: nmzMedia/Jörg Lohner

 

Guillaume de Machaut war (ist) ein Komponist, Dichter und Diplomat, der 1300 bis 1377 im Nordosten Frankreichs – genauer gesagt in Reims – lebte und zudem Dekan der dortigen Kathedrale war. Frank Reinecke und Helge Slaatto führen von Machaut verschiedene, für ihre Instrumente adaptierte Liedformen auf, in denen die Vorwärtsbewegung der musikalischen Linien von größter Bedeutung ist. Es scheint ein Miteinander zweier Linien zu sein, die jeweils auf ihre Unabhängigkeit bedacht sind, was dem Werk zugleich eine unerbittliche Objektivität verleiht. Die Harmonie, der vertikale Aspekt, ist das Ergebnis dieser Bewegung, das heißt, sie weicht stets aus. Die Harmonie gleicht einer Landschaft, die vom Zug dieses linearen Denkens geformt wird und an ihm vorbeizieht.

Mein Beitrag – die so genannte Symphony No.10 (Kompositionsjahr 2013) – ist ebenfalls ein zweiteiliger Kontrapunkt. Ich muss gleich hinzufügen, dass dieser historische Stil nie ein Thema für mich war – ich kann es nicht ausstehen, wenn Komponisten ihre Werke in manieristischer Weise „historisieren“; demgegenüber erkenne ich tiefgründigere Aspekte in der Kunst, die eine historische Periode überschreiten.

Und als wollte es das „beweisen“, hat dieses Stück reichlich bei Beethovens 5. Symphonie Anleihe genommen. Ich wollte damit der Außenwelt, so wie sie ist, meine Reverenz erweisen. Das wohl berühmteste Musikstück der westlichen Musikwelt. Es reizt mich sehr, bekannte Kunstwerke zu adaptieren, mich ihnen anzunähern, sie in Besitz zu nehmen. In diesem Fall gilt, je bekannter der Ausgangspunkt ist, desto besser, denn er verleiht dieser Reise nach Innen größere Klarheit und Objektivität. Es ist ein wenig wie der Akt des Zuhörens (oder Hörens), ein eigenständiges Stück, die Bewegung von der Öffentlichkeit – dem Allgemeinen – zum Spezifischen, dem Individuum. Das Stück ist eine Anordnung, modellhaft für diese Situation.

Weitere Informationen zum Konzert am 16.12.2016 finden Sie auf www.br-musica-viva.de.


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