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75 jahre musica viva

das Programm der musica viva jubiläumsSaison 2020/2021

Liebe Freundinnen, liebe Freunde der musica viva,

»Die gute alte Tante musica viva ist putzmunter und leben­dig … Zukunft der klassischen Musik? Na hier«, war vor einigen Jahren im Feuilleton einer großen Tageszeitung über ein Konzert der musica viva mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu lesen. Dieses Jahr nun besteht die Konzertreihe, Münchens Pinakothek der Moderne für die Musik, seit 75 Jahren. Dass es sie gibt, ist ihrem Gründer und spiritus rector Karl Amadeus Hartmann zu verdanken, der die Reihe mit einer zukunftsweisenden Vision ausstattete. Dass es sie bis heute gibt, verdankt sie dem Bayerischen Rundfunk, der 1948 die Patenschaft für das junge Kind übernahm und die Reihe zu einer Institution mit Gewicht im internationalen Musikleben reifen ließ: »The importance of musica viva in the cultural life of Munich is known to the whole world«, notierte Igor Strawinsky bereits 1958. Dass die musica viva aber bis heute »putzmunter und lebendig« geblieben ist, verdankt sie dem fabelhaften Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das, zusammen auch mit den ebenso großartigen Sängerinnen und Sängern des BR-Chores, der Konzertreihe ihr Jungbrunnen ist. Denn es sind die Aufführungen, durch die die Werke und mit ihnen die musica viva jedes Mal neu zum Leben erwachen.

Das Neue freilich verdanken wir den Komponistinnen und Komponisten, die für die musica viva schreiben. »Musik sei«, so Karl Amadeus Hartmann, »eine Sprache unter Menschen der Gegenwart«. Setzen wir also mit der musica viva auf die Komponistinnen und Komponisten unserer Zeit, auf die Erfindung und Entdeckung der Vielfalt der musikalischen Sprachen! Was auch immer an ihnen zunächst unverständlich erscheinen mag, ist ihr sur plus: Mit dem Nichtverstehen beginnt die ästhetische Wahrnehmung.

Sechs Veranstaltungen präsentiert die musica viva des Baye­­rischen Rundfunks im Laufe der kommenden Spielzeit 2020/21. Werke von 15 Komponistinnen und Komponis­ten, darunter sechs Uraufführungen: Kompositionen von Ondřej Adámek [UA], Luciano Berio, Minas Borboudakis [UA], Chaya Czernowin [UA], Peter Eötvös [ME], Heiner Goeb­bels [ME], Gérard Grisey, György Kurtág, Helmut La­­­chenmann [UA], György Ligeti, Liza Lim [UA], Isabel Mundry [EE], Tristan Murail, Nicolaus Richter de Vroe [UA] und Yann Robin [ME].

Die neue Saison beginnt mit einem Gastspiel des Ensemble Modern Orchestra im Prinzregententheater, das ein neues abendfüllendes Orchesterwerk von Heiner Goebbels nach München bringt: A House of Call. My Imaginary Notebook, eine Art ›Liederzyklus‹ mit Stimmen, die dem Komponisten und Regisseur begegnet sind, und die er in einem imaginären Notizbuch aufbewahrt hat. Das Werk verdankt sich einer Initiative des Musikfest Berlin und des Ensemble Modern anlässlich des Beethoven-Jahres 2020, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Auch Luciano Berios Voci (Folk Songs II) ist ein imaginärer Zyklus über Lieder – Lieder über die Arbeit, Wiegenlieder, Volkslieder und Liebeslieder aus Sizilien –, den der Solo­bratschist Antoine Tamestit mit dem BRSO im Oktober zur Aufführung bringt.

Magdalena Kožená und Sir Simon Rattle heben dann zusammen mit dem BRSO im März einen neuen Liederzyklus von Ondřej Adámek aus der Taufe: Where are you ?, ein gemeinsamer Auftrag der musica viva und des London Symphony Orchestra.

Auf Berios Voci wiederum folgen weitere neue Werke für Viola bzw. Violine und Orchester: Isabel Mundrys Gesture mit Nils Mönkemeyer (Konzert im November), Peter Eötvös’ Alhambra Concerto mit Kristof Baráti und Nicolaus Richter de Vroes Violinkonzert mit Ilya Gringolts. Neue Werke für Orchester schreiben Minas Borboudakis, Chaya Czernowin und Liza Lim.

Helmut Lachenmanns Musik für acht Hörner und Orchester, My Melodies, 2018 bei der musica viva unter der Leitung von Peter Eötvös uraufgeführt, dann anschließend von Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern in Berlin gleich dreimal übernommen, kommt im April nochmal zur musica viva. Und die Aufführung kann wieder eine Premiere genannt werden: Ausgestattet mit einer extensiven Kadenz der acht Solohörner und zusätzlichen Orchestereinschü­ben mündet das Werk nun in seine finale Gestalt; ein Anlass, die Aufführung auch mit einer CD-Produktion zu verbinden.

Eine weitere Wiederaufnahme im Programm der musica viva gibt es: Die Aufführung von Gérard Griseys Spätwerk Vortex Temporum durch ein Ensemble von Musiker*innen des BRSO im Studio 1 des BR Funkhauses vor zwei Jahren und vor kleinem Publikum geriet zu einer Sternstunde, sodass sogleich eine nochmalige Präsentation vor großem Publikum für den April 2021 beschlossen wurde. Die Verbindung mit My Melodies in einem Programm ist naheliegend: Der dritte Satz von Vortex Temporum ist Lachenmann gewidmet. Von Jean Paul stammt der schöne Hinweis für das Lesen, der nicht weniger auch für das Hören gilt: »Die Leser glauben immer, das, was sie in Einem Athem lesen, habe man in einem gemacht. […] Was 5 mal geschrieben, 100 mal gedacht, sollte wenn nicht 1 mal doch 2 mal gelesen zu werden verlangt werden dürfen.«

Wir danken dem Verein der Freunde des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks für seine Unterstützung der Kompositionsaufträge an Chaya Czernowin und Nicolaus Richter de Vroe (Konzert im Juni) und der Ernst von Siemens Musikstiftung, die das Münchner Gastspiel des Ensemble Modern Orchestra ermöglicht.

Viel Freude beim Besuch der musica viva-Veranstaltungen in der Jubiläumssaison 2020/21 wünscht Ihnen

Ihr Winrich Hopp
Künstlerischer Leiter der musica viva des Bayerischen Rundfunks

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