Hans Zender zur Münchner Happy New Ears-Initiative:

Hans und Gertrud Zender

„Happy New Ears“ wünschte John Cage den Hörern einer zukünftigen Musik. Diese Musik hat ein neues Verhältnis zu ihrer Geschichte gewonnen: sie überblickt Geschichte mit vollem Bewusstsein, fühlt sich aber nicht gebunden durch etablierte Regeln und Gesetze. Sie kann nur in den unvorhersehbaren Entscheidungen des schöpferischen Einzelnen lebendig werden. Für den Hörer eine neue Aufgabe, denn es kann keine festen Maßstäbe zum Verstehen dieser Musik geben.

Jedes Kunstwerk, für den Komponisten immer ein Wagnis, ist für den Hörer ebenfalls eine individuelle Herausforderung. Sprachliche Beschreibungen neuer Musik können für viele eine Hilfe sein, wenn sie das einzelne Kunstwerk wirklich aus seinen eigenen immanenten Gesetzmäßigkeiten verstehen, und so den Hörer letztlich wieder zurückführen zum unmittelbaren „Verstehen“ durch die Ohren.

Ich habe mein Leben lang versucht, diesen neuen Anspruch des Hörens sowohl als Bruch mit wie auch als fortsetzende Konsequenz aus der großen europäischen Tradition erfahrbar zu machen – in meinem kompositorischen Werk ebenso wie in meiner Dirigententätigkeit. Auch den ersten Band meiner veröffentlichten Aufsätze nannte ich „Happy New Ears“, ebenso wie eine mit dem Ensemble Modern in Frankfurt Anfang der Neunziger gegründete Konzertreihe, die sich bis heute dem Ineinander von musikalischer und verbaler Interpretation jeweils eines einzigen Werkes der Neuen Musik widmet. So trägt auch meine Münchner Initiative diesen Namen, die zusammen mit der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Konzertreihe musica viva die Energien für die Unterstützung der Neuen Musik im internationalen Musikleben bündeln und intensivieren will.

 

Hans Zender im Gespräch mit Siegfried Mauser und Enno Poppe. Foto: Astrid Ackermann.Hans Zender im Gespräch mit Siegfried Mauser und Enno Poppe. Foto: Astrid Ackermann.

Der Komponistenpreis – gedacht für wagemutige und nicht am unmittelbaren Erfolg orientierte Kollegen – soll helfen, den Focus der öffentlichen Aufmerksamkeit von den Reproduzierenden wieder hin zum Herzen der Musik zu lenken: zu den die ganze Problematik unserer Zeit verarbeitenden schöpferischen Geistern. Der Preis für Publizistik zur Neuen Musik möchte Menschen danken, welche in der Arbeit ihres Metiers zum Bilden der „Neuen Ohren“ beitragen. Meine Initiative will allen Mut machen, die an die Lebendigkeit der Neuen Musik und ihre Unentbehrlichkeit für die Zukunft unserer Kultur glauben.

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