Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit johannes kalitzke

Freitag, 6. November 2020 | Herkulessaal der Residenz München | 18.00 Uhr

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Programm

Isabel Mundry [*1963]

Noli me tangere
für Schlagzeug solo und Ensemble [2019/2020]

Auftraggeber: Ensemble Intercontemporain in Kooperation mit Radio France, Ensemble Musikfabrik mit Unterstützung durch die Kulturstiftung NRW und Collegium Novum Zürich

Uraufführung: 16. Februar 2020 im WDR Funkhaus Köln durch Dirk Rothbrust, Schlagzeug, und dem Ensemble Musikfabrik unter der Leitung von Peter Rundel.

bernhard lang [*1957]

Monadologie XXXIX.2 Redux
für Violine und Ensemble [2018/2020]
I – II – III
Kompositionsauftrag des musica viva des Bayerischen Rundfunks | Uraufführung

Auftraggeber: musica viva des Bayerischen Rundfunks

Uraufführung: 6. November 2020 im Herkulessaal der Münchner Residenz im Rahmen der musica viva durch Ilya Gringolts, Violine, und Mitglieder des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Johannes Kalitzke.


Mitwirkende

Dirk Rothbrust, Schlagzeug

Ilya Gringolts, Violine

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Johannes Kalitzke, Leitung

Brad Lubman kann unter den bestehenden Reisebestimmungen das Dirigat nicht übernehmen. Anstelle seiner dirigiert Johannes Kalitzke.

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Zum Programm

In zwei Solokonzerten für Schlagzeug und Violine finden zwei ebenso unterschiedliche wie eigenständige Stimmen der zeitgenössischen Musikszene ihren Ausdruck. Isabel Mundry wagt sich in ihrem neuen Solo für Schlagzeug und Ensemble auf das dünne Eis einer Welt jenseits der physischen Berührung. Für den Perkussionisten, der sein Klangmaterial eigentlich anfasst, schlägt, reibt oder streicht bedeutet das eine ebenso große Herausforderung wie für die Ensemblemusiker, die mit ihm kommunizieren. Bernhard Lang hingegen sucht seine neue Welt in der alten. Sein neues Violinkonzert für Ilya Gringolts wird eine Reise des „Engelsinstruments“ durch die Geschichte der Gattung, zwischen Zitat und Aneignung, Loopschleifen, Fortspinnung und einer Feier der Kadenz.

Werkinformationen
Zu Isabel Mundry: Noli me tangere

Potenzial des Augenblicks

„Rühre mich nicht an!“ In Zeiten des Abstandhaltens bekommt nicht nur der Titel dieses Kammerkonzerts, das kurz vor dem Shutdown im Februar uraufgeführt wurde, eine neue Dimension. Zu ihrer Referenz erklärt Isabel Mundry das Buch Noli me tangere des französischen Philosophen Jean-Luc Nancy, Im Zentrum aller Überlegungen steht bei Nancy die berühmte Passage aus dem Johannesevangelium, in der Maria Magdalena dem auferstandenen Jesus vor seinem leeren Grab begegnet. Jesus verweigert ihr jeden physischen Kontakt: „Rühre mich nicht an, ich bin noch im Fortgehen, aber erzähle den anderen, was Du gesehen hast.“

Sich zu berühren und berührt werden, ohne sich anzufassen oder festzuhalten – dieses scheinbare Paradox wird zum Kerngedanken dieser Komposition. Es ist „eine Berührung, die erst durch Nichtberührung freigesetzt wird und dadurch potenziell unendlich ist“, kommentiert Isabel Mundry. Zwar verzichtet sie nicht ganz auf physische Initialzündungen. Ist aber – um ein Beispiel zu nennen – das Tam-Tam erst einmal angeschlagen, bringen die Schallwellen des großen Gongs andere Instrumente zum Schwingen und damit zum Klingen. Die Voraussetzungen dafür sind ein besonderes Gespür für das Potential des Augenblicks und Mut zum Risiko. Es sind feinste Resonanzen, die sich mischen und sich durch die körperlose Berührung akustisch verwandeln. Eine Partitur kann solche Übergänge vorzeichnen, zeitlich fixieren lassen sie sich jedoch nicht. Isabel Mundry überlässt es deshalb oft den Musikern, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen: „Das Maß der Zeit bestimmt hier ihr Ohr. Das Berühren vollzieht sich im Hören.“

Zu Bernhard Lang: REDUX

„Erinnerungsgewitter“

Seit Jahrzehnten schreibt sich Bernhard Lang durch die Musikgeschichte. Er zitiert, loopt und überführt die Fundstücke in seine eigene Welt. Eigentlich sollte REDUX als Konzert für Violine und großes Orchester die Nummer 39 seiner Monadologien werden. Für die geforderte kleinere Corona-Besetzung ist daraus nun ein Kammerkonzert geworden. In beiden Fassungen verdichtet Berhand Lang die Geschichte des westlichen Violinkonzerts auf vierzig Minuten. Allerdings ist dieses Erinnerungsgewitter alles andere als eine dokumentarische Collage. „Es geht um meine Geschichte mit der Geige“, kommentiert der Neffe eines ehemaligen Geigenwunderkinds. Das geerbte Instrument hat Bernhard Lang bei der Arbeit begleitet.

Die berühmten Meilensteine der Gattung von Bach über Beethoven, Sibelius und Schönberg bis Ligeti haben teils in Originalzitaten, teils in Bearbeitungen Eingang in das neue Konzert gefunden. Dass es für Ilya Gringolts entstanden ist, der nicht auf zeitgenössische Musik spezialisiert, sondern im gesamten Repertoire zu Hause ist, war für Bernhard Lang fundamental. Während er nicht davon ausgehen kann, dass das Publikum alle Referenzen erkennt, vertraut er darauf, dass der Solist diese Dimension wortlos vermittelt: „Es war lustig, wie Ilya Gringolts mich bei Beethoven gefragt hat, ob er den Ton von vorher nehmen oder ob er einen Beethoven-Ton wählen soll. Dieser Diskurs geht nicht verloren. In ihm spiegelt sich die persönliche Biographie des Solisten, was letztendlich zu einer improvisierten Kadenz führt.“ Eine Kadenz, die den Höhepunkt des neuen Konzerts markieren soll, zugleich aber – so Bernhard Lang – einen „Schwanengesang“ auf das Concertare und damit auf die eigentliche Konzertidee darstellt.

Das Konzert im Radio

Den Mitschnitt des Konzerts sendet BR-KLASSIK am Dienstag, 17. November 2020, ab 20.05 Uhr im Radio.

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