Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit johannes kalitzke

Freitag, 6. November 2020 | Herkulessaal der Residenz München | 21.00 Uhr

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Karlheinz Stockhausen, Minas Borboudakis, Gérard Grisey © LMN Berlin
Programm

Minas Borboudakis [*1974]

Constellation
für Orchester [2003/08]

Karlheinz Stockhausen [1928–2007]

In Freundschaft
für ein Soloinstrument [1977]
Fassung für Kontrabass solo von Frank Reinecke [2020]

gérard grisey [1946–1998]

Vortex Temporum
für Klavier und fünf Instrumente [1994-96]


Mitwirkende

Frank Reinecke, Kontrabass

Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks:
Lukas Maria Kuen, Klavier
Ivanna Ternay, Flöte
Heinrich Treydte, Klarinette
Korbinian Altenberger, Violine
Klaus-Peter Werani, Viola
Uta Zenke-Vogelmann, Violoncello

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Johannes Kalitzke, Leitung

Brad Lubman kann unter den bestehenden Reisebestimmungen das Dirigat nicht übernehmen. Anstelle seiner dirigiert Johannes Kalitzke.

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Zum Programm

Planen lassen sich spektakuläre Entdeckungen nur selten. Oft ereignen sie sich auf der Suche nach ganz anderen Phänomenen. Als der Franzose Gérard Grisey aus den Spektraltönen eines Klangs eine neue Harmonik entwickelte, tat sich vor seinen Ohren eine Farbwelt auf. Reich an neuen Tönungen und Schattierungen. Auch Minas Borboudakis taucht in seiner Musik in die Welt der Mikrointervalle, allerdings ohne die Systematik des Spektralisten, dafür mit einem Gespür für Energien und mit einem Orchester, dem vier Hörner voranstehen.

Werkinformationen
Zu Minas Borboudakis: Constellation

Soundscape mit enormer Tiefenwirkung

Wäre Constellation ein Gemälde, hieße es vielleicht „Landschaft mit vier Hörnern“. Weite Klangflächen dehnen sich aus, ballen sich zu dicht gepackten Clustern, es faucht und zischt. Aus dem mikrotonal schillernden und oft brachial bewegten Orchesterklang schreien die Hörner mitunter wie Tiere. Die vier Solisten spielen stereophon – paarweise rechts und links neben dem Dirigenten. Beim Hören versinken sie jedoch immer wieder in Borboudakis´ bewegtem Soundscape, der eine enorme Tiefenwirkung entfaltet. Sie mischen sich in den Gesamtklang, durchstoßen die Oberfläche, treiben auf der Stelle oder werden vom Strom mitgerissen.

Die Strukturen, die der in Kreta geborene Münchner entwirft, verändern sich unentwegt. Der Komponist und Pianist selbst vergleicht die Entwicklung mit einem Blick in den Weltraum, wo bewegliche Himmelskörper immer neue Konstellationen mit den Sternen eingehen. In seiner Musik sind es Töne, die ihren Weg durch die Zeit nehmen und an bestimmten Momenten akkordartige Klangkonstellationen entstehen lassen, um anschließend weiterzuziehen. Diese besondere Art des Melos schafft Zusammenhalt. Auch den Rhythmus versteht Minas Borboudakis nicht nur als die zeitliche Gestaltung kurzer Bewegungsmuster wie dem gelegentlichen Pulsieren der Hörner. Auf einer anderen, größeren Zeitebene folgen bei ihm auch die Bewegungen der Klangflächen und die fortwährenden Entladungen der angestauten Energie einem Rhythmus. Es ist dieser Energiefluss, der die Landschaft wie einen Organismus in Bewegung versetzt und am Leben hält.

Zu Gérard Grisey: Vortex Temporum

Zeitverhältnisse in spektraler Stimmung

Klänge sind wie Lebewesen – und daher auch als solche zu behandeln. Diese Überzeugung hat Gérard Grisey beim Komponieren begleitet. Klänge kennen wie Zellen „eine Geburt, ein Leben und einen Tod“. Dass sich das Leben in der Zeit abspielt und diese Zeit von den Lebewesen auf ganz unterschiedliche Weise wahrgenommen wird, bestimmt die Zeitverhältnisse der drei Sätze von Vortex Temporum. Der erste bewegt sich in der Zeit des Menschen, grundiert vom Rhythmus des Atems. Das Tempo des zweiten Satzes ist den langsamen Schwingungen der Gehirnwellen schlafender Wale nachempfunden, während das Finale das – aus der menschlichen Perspektive – schnelle Zeitempfinden von Vögeln und Insekten spiegelt.

In diesen „Wirbel der Zeiten“ schickt Gérard Grisey eine einfache und damit leicht wiederzuerkennende Geste. Es handelt sich um eine – in diesem Fall bei Ravel entdeckte – „Drehformel“ aus kleinen Terzen, deren harmonische Spannung keine Auflösung findet, weil jeder Ton der Leitton sein könnte. Dieses rotierende Arpeggio ist ein Archetyp. Über alle Veränderungen hinweg bleibt es immer erkennbar, selbst in extremer Verlangsamung, wenn sich die Wahrnehmung wie in Zeitlupe auf einen einzelnen Ton richtet. Griseys archetypische Kreisbewegung weicht jedoch leicht von dem Arpeggio ab, das er bei Debussy entdeckte. Auf dem Klavier sind die vier Töne jeweils um einen Viertelton tiefer gestimmt. Auch die anderen fünf Instrumente spielen Mikrointervalle. Gérard Grisey entwickelt seine Musik aus einer eigenen, spektralen Stimmung, abgeleitet aus den Obertönen eines Klangs. Dabei fächern sich die Teiltöne eines einzelnen Klangs in die Zeit auf, kehren das Innerste nach Außen und tauchen das Geschehen in ein neues Licht.

Das Konzert im Radio

BR-KLASSIK sendet den Konzertmitschnitt im Radio. Der Sendetermin wird noch bekannt gegeben.

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