Cathy Milliken über ihr Werk „Earth Plays“:

Die Synergien, die aus menschlichen Zusammenkünften entstehen, und die Rituale, Gesetze, Dramen und Lieder, Legenden und Träume, die aus ihnen hervorgehen – all dies inspirierte mich dazu, über Orte nachzudenken, in die sich Geräusche, Musik und Worte akustisch eingeprägt haben könnten – »in Stein gemeißelt«, wie es so schön heißt. Welche Informationen, welche Erkenntnisse mögen diese Steine in sich aufgenommen haben, die jahrhundertelang Zeugen des menschlichen Strebens, seiner Erfolge und Kultur waren? Welche akustischen Erinnerungen mögen sich ihnen schallplattengleich eingeprägt haben und welche Zeichen oder Botschaften können wir in ihnen entdecken, in sie hinein- oder aus ihnen herauslesen? Die Komposition Earth Plays für Orchester und Mezzosopran versucht, die akustischen Echos von vier Begegnungsorten und -arten zu erwecken: die Versammlungen im Althing im isländischen Thingvellir; die altgriechischen Theaterstücke in Epidauros; die wunderbaren Steinbilder bei Tono im Norden Japans; und die Eröffnung der Radio City Hall in New York. Mithilfe verschiedener Texte, die auf Quellen wie dem isländischen Grägas-Gesetzbuch basieren, auf Antigone, auf dem Bericht eines Überlebenden des letzten großen Erdbebens in Japan sowie Fragmenten rund um die Radio City Hall in New York, schlüpft die Sängerin in die Rolle einer »Zeugin aller Zeiten«.

Cathy Milliken (2015)