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SCHNELLER ALS DAS LICHT - Milica Djordjevic im Porträt

04.01.17 | Astrid Ackermann

Astrid Ackermann fotografiert die Komponisten der musica viva seit langem. Hier veröffentlichen wir einen Auszug aus ihrem Gespräch, das im Rahmen des Portraitshootings mit der Komponistin Milica Djordjevic stattfand.

Milica Djordjevic. Foto: Astrid Ackermann

In Belgrad geboren lebt Milca Djordevic seit 6 Jahren in Ihrer Wahlheimat Berlin. Die Siemenspreisträgerin deren Werke zunehmend breite Anerkennung finden, beschäftigt sich intensiv mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen und mit der Malerei.

Astrid Ackermann: Quicksilver – du hast einen interessanten Titel gewählt für dein Orchesterstück. Quecksilber wird in der griechischen Mythologie dem Gott Hermes zugeschrieben. Er ist der Überbringer der Träume und seine Geschwindigkeit dabei übertrifft die des Lichts.

Milica Djordjevic: Schneller als das Licht zu sein, das wäre wunderbar, dann würde ich alles schaffen im Leben.

Normalerweise wähle ich den Titel immer am Ende. Nur dieses Mal war es nicht so. Also ich hatte diese Idee von ‚Quicksilver‘. Die ersten Assoziationen damit für mich sind Farbe und Beweglichkeit. Glänzend ist das und so, einfach schön zu sehen. Und dann habe ich dieses Video auf Youtube gesehen, wie Gold mit Hilfe von Quecksilber extrahiert wird. Das ist Wahnsinn. Da hast du diese ganz feinen Goldbätter und dann, wenn du dort nur einige Tropfen Quecksilber dazu gibst, dann löst sich das Gold im Quecksilber auf… Aber Quecksilber ist auch extrem toxisch. Also in diesem Stück spielte ich mit diesen Eigenschaften mit glänzenden, schimmernden Farben, mit Reflexionen, mit der Beweglichkeit und Geschwindigkeit dieses Elements (trotz seiner Dichte) und auch mit dieser Toxizität. Mich fasziniert die wunderschöne Form, wenn Quecksilber brodelt, siedet. So verwandelt sich die Musik von glänzenden zerbrechlichen Klängen zu einer dichten, schweren und aufgeladenen Klangexplosion.

 

Milica Djordjevic. Foto: Astrid Ackermann
Milica Djordjevic. Foto: Astrid Ackermann

AA: Deine Stücke sind oft zu Beginn schon schwer und düster. Möchtest du den Zuhörer zu einer Katharsis führen?

MD: Man kann das so sagen. Die Musik packt dich und hält dich fest und am Ende sage ich „Ah Gott“. Du hast dieses ganze Erlebnis von Anfang bis zum Ende und du verlierst dich in dem Klang: also das ist mir wichtig, dass der Zuhörer wirklich dabei ist.

AA: Du möchtest Ihn packen auf eine Geschichte mitnehmen und er muss leiden und danach erlöst sein?

MD: Ja, ich bin ein Großer Fan von Drama – ohne Drama auf der Bühne kann ich nicht …

Milica Djordjevic. Foto: Astrid Ackermann
Milica Djordjevic. Foto: Astrid Ackermann

AA: Wie geht es dir jetzt nach der Generalprobe?

MD: Also ich fühle mich glücklich, dass ich diese Chance habe etwas, was mir echt und ganz ehrlich so viel Spaß macht, als Job zu haben.

AA: Es ist eigentlich kein Job, oder?

MD: Nein… es ist Leidenschaft.

Manchmal bin ich natürlich müde. Aber auch diese Phasen sind schön. Obwohl ich leide. Ich bin total kaputt. Das ist einfach untrennbar mit meinem Prozess verbunden. Jetzt weine ich, aber am Ende funktioniert es (lacht). Es geht weiter. Die Klänge zu führen, ich weiß ganz klar und präzis, was ich hören will und wie man das schaffen kann auf dem Instrument.

AA: Du hast dich doch am ircam auch mit der Erzeugung von elektronischen Klängen beschäftigt. Im Theater fällt mir dazu Edward Craig und seine Forderung nach der Übermarionette ein. Durch die Abwesenheit von Emotion und Egoismus soll eine intensivere Darstellung auf der Bühne ermöglicht werden…

MD: Ich verstehe warum du fragst und was du meinst, aber für mich ist ein Musiker ein untrennbarer Teil der Musik. Natürlich hoffe ich hier nicht gegen ein riesiges Ego zu kämpfen, aber in meiner Musik ist Leidenschaft ein entscheidender Teil. Und Leidenschaft selbst ist sehr menschlich. Musik ist für mich eine sinnliche Erfahrung. So bringt jeder Musiker etwas Persönliches in diese Musik ein, und wenn es  dabei gelingt Eitelkeit und Egozentrik auszulassen, dann ist es ein schönes Erlebnis, und da liegt für mich die Schönheit und die Aufregung aller Aufführungen. Im ircam haben wir auch Computermusik gemacht, aber mit einem Computer als Performer ist es so peinlich trocken und steril. Zum Glück habe ich meistens die Chance mit brillianten Musikern, deren Fähigkeiten erstaunlich sind, zu arbeiten. Das macht jede Aufführung zu einem spannenden Abenteuer.

AA:Dann bin ich sehr gespannt auf dein Abenteuer heute Abend und auf dein Gemälde aus vielen Farben….

Der Konzertmitschnitt vom 16. Dezember wird am 18. Januar 2017 auf BR-Klassik gesendet.

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